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Ein Zirkus zum Fürchten

Eine geniale Buchverfilmung oder doch nur ein haltloser Spuk auf dem Jahrmarkt? Schauen wir uns „Nightmare Alley“ einmal genauer an – wie immer nicht spoilerfrei.

Ich muss zugeben, ich war nach dem Trailer von „Nightmare Alley“ etwas gehypt. Das Setting – ein altertümlicher Jahrmarkt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit kuriosen Charakteren und einer famosen Ausstattung – schien und scheint mir nach der Sichtung des Filmes immer noch sehr authentisch. Leider hapert es ein wenig an der Geschichte – an dieser Stelle gebe ich gern zu, dass ich die Buchvorlage nicht gelesen habe und meine Meinung nur auf den Film fokussieren kann.

Die Geschichte fängt ganz beiläufig an. Der Hauptcharakter spricht in den ersten 15 Minuten nicht einmal ein Wort. Dennoch schafft der Film es, Stanton Carlisle interessant zu gestalten. Er sieht nicht nur aus wie arbeitsloser und mittelloser Tagelöhner, sondern bedient dieses Klischee auch zu Beginn, indem er bei dem Jahrmarkt aushilft, in den er auf seiner Reise trifft. Zunächst soll er nur beim Abbau helfen, trifft aber dann ziemlich schnell auf den Inhaber des „Geek“ – ein merkwürdiges Wesen, das Hühnern das Blut aussaugt. Irgendwie absonderlich, aber auch faszinierend. Was für ein Wesen soll das sein?

Nun, dass der gesamte Zirkus fast nur aus Betrug besteht, ist nicht weiter verwunderlich. Zu viele Geschichten haben sich über solche Settings bereits gedreht und gewendet und irgendwie neu ist dies auch nicht. Zuletzt hatten wir eine gescheiterte Vampirverfilmung von „Der Mitternachtszirkus“ (zugegeben, die Bücher waren ganz in Ordnung).

Stanton lernt die Fähigkeiten eines Mentalisten und arbeitet später als solcher. Er arbeitet sich wie es für einen guten amerikanischen Traum gehört, von der Gosse bis zum Millionär – nun gut, hier eben bis zum erfolgreichen Mentalisten, der mithilfe eines Wort- und Buchstabensystems Gegenstände errät. Irgendwie haben wir auch das schonmal gehabt, zuletzt in dem Roman „Die Untersterblichen“ – aber gut, vielleicht hat die Autorin auch von der Buchvorlage des Films abgekupfert. Das ist ja erstmal nicht weiter tragisch.

Doch leider verläuft sich der langatmige Film sehr in seiner Geschichte, die auch deutlich kürzer hätte erzählt werden können. Dann hätten wir weniger vom fantastischen Szenenbild und den ebenso gelungenen Kostümen gesehen, aber das wäre es wert gewesen. Übrigens schließt sich der Kreis um den „Geek“ am Ende – aber das war leider so vorhersehbar, wie die Tatsache, dass Stantons Ehe am Ende scheitert; wie so oft bei abgehobenen und plötzlich erfolgreichen Entertainern.

Wer ein cooles Setting mit cooler Ausstattung sehen will, kommt bei Nightmare Alley sicherlich auf seinen Geschmack. Besonders „besonders“ ist der Film jedoch leider nicht. Sind wir gespannt, ob Guillermo del Toro seine Pläne zu „Berge des Wahnsinns“ noch in die Tat umsetzt – zumindest auf diesen Film wäre ich sehr gespannt!


Nightmare Alley (2021)

Regie: Guillermo del Toro
Länge: 151 Minuten
Kinostart (D): 20.01.2022

Trailer

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Lakritzpizza for Oscar

Ein Film, der mit dem Titel so wenig zu tun hat, wie eine Pizza mit Lakritz. Hier die nicht spoilerfreie Kritik zum Oscarkandidaten „Licorice Pizza“.

Alles erinnert ein wenig an den Film „The Vast of Night“ (Die Weite der Nacht), der seit längerem schon bei einem namhaften Streaminganbieter zu sehen ist. Eine coole Prämisse, ein einfaches Setting, wenige Darsteller und irgendwie – ein merkwürdiger Film. Dennoch sehr gut anzuschauen. So ähnlich geht es auch dem Film „Licorice Pizza“ von Paul Thomas Anderson.

Wir begleiten praktisch zwei junge Menschen – Gary Valentine und Alana Kane – bei ihrer Reise zum Erwachsenwerden, wobei strenggenommen Alana schon erwachsen ist. In verschiedenen Episoden zeigt uns Anderson die Schritte, die es über Jahre hinweg braucht, einen Menschen zu erobern. Komisch wird es, dass hier mit dem Altersunterschied gespielt wird – Gary ist gerade einmal 15 Jahre alt, die Fotoassistentin Alana betreut die Jahrbuchfotos, als Gary ihr eröffnet, dass er sie heiraten möchte. Diese ersten 15 Minuten zeigen schon, was den Zuschauer erwartet: ein herrlich frisches Liebesdrama? Oder eine äußerst gelungene Komödie?

In gewisser Hinsicht bekommen wir beides vor die Füße geworfen. Dass die beiden am Ende des Films nach einigen Durststrecken und Längen zusammenkommen, muss unweigerlich aus dramaturgischen Aspekten geschehen – sonst sähen wir nach den fast zweieinhalb Stunden auch ziemlich alt aus.

Doch wie der Regisseur, der gleichzeitig auch der Autor ist, diese Geschichte immer wieder mit neuen komischen Elementen füllen kann, ist genial. Leider kommen dadurch auch immer wieder einige Längen auf, die durch die abwechslungsreiche Story aber schnell wieder wettgemacht werden.

Man nehme zum Beispiel das Wasserbettenbusiness, das Gary aus dem Nichts mit seinen Freunden eröffnet. Eine halbe Stunde bis Stunde später verkauft er keine Wasserbetten – nein, Flipperautomaten füllen jetzt das Ladenlokal. Während Alana zunächst die Jahrbuchfotos betreut, landet sie einige Zeit später im Wahlbüro des Bürgermeisters. Achja, zwischendurch wollte sie noch Schauspielerin werden und mit Sean Penn vor die Kamera.

Insgesamt kann der Film mit viel Charme und Raffinesse punkten und glänzt durch die Schauspielleistungen der Darsteller:innen. Ein Film, wie wir ihn lange nicht mehr gesehen haben – definitiv eine Sichtung wert.


Licorice Pizza (2021)

Regie: Paul Thomas Anderson
Länge: 134 Minuten
Kinostart (D): 27.01.2022

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Es wird Zeit für Remaster

Nachdem ich die erste Staffel der fabula romana nun nach acht Episoden beendet habe, habe ich mir das Gesamtbild der Staffelgeschichte nochmal durch den Kopf – pardon – durch’s Ohr gehen lassen. Da mich die Lesequalität, Aufnahmequalität und der Inhalt seit längerem nicht mehr so ganz zufrieden gestellt haben, habe ich mich rangesetzt und die ersten beiden Folgen „forum romanum“ und „hannibal ante portas“ umgeschrieben und neu aufgenommen. Auch die Mischung ist mit neuer Musik und neuen Effekten versetzt, sodass sich hier ein stimmigeres Gesamtbild ergibt. Die Geschichte bereitet nun das Mysterium um den Faun vor (ups! Jetzt hab ich ja gespoilert) und schubst unseren Helden Askanius in die richtige Richtung.

Die Episoden

Hier habe ich Dir die Spotify-Links zu den Remastered-Versionen eingefügt und wünsche viel Freude beim Anhören!

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House of Gucci

Die nicht spoilerfreie Kritik zu einem jüngeren Film – einem weiteren in der Reihe der Biopics über Mode und Macht, Familie und Streit. Willkommen im House of Gucci.

Die Frage, die über 2 Stunden in jedem Kopf herumschwirrt, der im Kino sitzt? Nun, wie kann jemand so geld- und machtgeil sein, wie Patrizia Reggiani. Übrigens tadellos gespielt von Lady Gaga.

Der Film beginnt gemächlich. Die junge Patrizia fährt mit einem stylischen Wagen zu ihrem Vater auf den LKW-Hof. Sie arbeitet in der Spedition und lernt später auf einer Party den jungen Maurizio Gucci kennen. Schnell wird klar: Sie will nicht nur etwas von ihm, sondern ganz besonders etwas von seinem Pomp, seinem Geld und seinem Glanz. In jeder Sekunde, die Patrizia zu sehen ist, strahlt sie eine Gier nach Mehr aus – das ist in jeder dieser Sekunden glaubhaft und verachtenswert. Denn hier geht jemand für Materielle und Immaterielle Werte buchstäblich über Leichen.

Dabei lässt sich Maurizio von Patrizia einwickeln. Es dauert nicht lange, und er tanzt komplett nach ihren Regeln, hintergeht die Familie, die er so liebt. Es dauert eine Zeit, bis Maurizio erkennt, dass Patrizia ihn ausnimmt. Patrizia versucht auch, mögliche Konkurrentinnen zu entfernen; gerade die Jugendfreundin von Maurizio ist ihr ein Dorn im Auge. Doch muss Maurizio am Ende erkennen, dass er Patrizia nicht mehr liebt und durch diese Erkenntnis wird er tatsächlich frei.

Ein neues Problem bahnt sich jedoch an, denn im Gegensatz zu Maurizio schien Patrizia die Geschäfte des Labels Gucci sehr gut zu kennen – denn einmal hart erkämpfte Macht muss verteidigt werden vor dem Weltmarkt. Das Unternehmen geht zugrunde. Als Patrizia keinen Ausweg mehr sieht, lässt sie ihren Exmann ermorden.

Und gerade in der letzten Szene brilliert diese giergetränkte Atmosphäre. Patrizia klammert sich so sehr an den angeheirateten Namen „Gucci“, dass sie alles außer Acht lässt: Sitten, Gewissen, ihre eigene Familie. Und an diesen Stellen ist der Film auch sehr, sehr gut.

Und doch reiht er sich am Ende auch nur in die endlose Zahl an Biopics, die seit mehreren Jahren aus dem Boden wachsen. Die besondere Spannung bleibt blass, neben dem durchaus sehr brillierenden Spiel von Lady Gaga und Adam Driver. Und das ist schade, denn zweieinhalb Stunden plätschernde Handlung haben wir eben schon viel zu oft gehabt.


House of Gucci (2021)

Regie: Ridley Scott
Länge: 157 Minuten
Kinostart (D): 02.12.2021

Trailer

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fabula vaporis – Kap. 57

Ein Toter muss tot sein, und die Lebenden müssen leben, bis sie tot sind.

Josh Pizarro

Locor Narcana arbeitete gerade in seiner Werkstatt, als die Kinder wieder auftauchten. Dillion, Josh, Carry, Giada… Alle waren sie versammelt. Acia führte die acht Kinder an und stand an der Spitze. „Was kann ich für euch tun?“, fragte Locor und blickte Acia in die Augen. Josh trat hervor und deutete auf den Erfinder. „Ein Toter muss tot sein, und die Lebenden müssen leben, bis sie tot sind“, sagte Josh und sah den Erfinder herausfordernd an. Locor wischte sich die Hände an einem Lappen ab, und bedeutete den Controllern voranzugehen.  „Dann lasst uns gehen“, seufzte er schwer. Er hatte sich gerade wieder an das Leben gewöhnt und wollte es nicht wieder hingeben. Über eine Treppe und mehrere Haufen Holzschutt gelangten sie schließlich auf die Straße. „Wo müssen wir entlang?“, fragte Carry, die auch darauf brannte, ihren Freund wieder zu sehen. „Da lang.“ Acia deutete auf eine Straße, die sich zwischen zwei Häusern entlangdrängte. Die Controller setzten sich in Bewegung. Als sich Dillion nach dem Erfinder umdrehte, bemerkte er, dass dieser stehen geblieben war.

     „Wartet!“, rief der Junge. Die Kinder blieben stehen und wandten sich um.

     „Was ist?“, fragte Josh. „Kommen Sie denn?“

Locor Narcanas Augen blitzten listig. „Nun.“ Er lachte boshaft. „Dann will ich dich mal nicht davon abhalten deinen Bruder zu retten.“ Er trat einen Schritt zurück. „Das Leben hier… ich habe es vermisst, wenn ich ehrlich sein soll! Und warum sollte ich es wieder hergeben? Gehabt euch wohl!“ Mit diesen Worten und einem lauten Lachen sprang Locor Narcana davon und hastete die Hauptstraße entlang. „Denkt zuerst nach, bevor ihr handelt!“, schrie der Mann noch, dann war er verschwunden. Und Josh blieb in großer Trauer zurück und dachte an Jesse.

Ende der Geschichte

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fabula vaporis – Kap. 56

„Was passiert eigentlich“, fragte Acia. „Wenn Sie sterben? Sterben dann auch die Ilaner?“ – „Nein“, sagte Themma leise, den Gedanken der Rache noch im Hinterkopf. „Warum sollten sie? Sie brauchen immer einen Führer, denn ihre Aufgabe ist es, dem Anführer zu folgen. Aber wenn es keinen gibt, wer soll sie dann befehlen?“

     „Warum erzählen Sie mir das?“

     „Weil du es sowieso weißt.“

„Das stimmt“, erwiderte Acia. Dann erhob sie sich. „Aber wissen Sie.“ Das Mädchen befreite sich vom Staub. „Sie sind so naiv, dass mir leider nichts anderes übrig bleibt, Ihnen einen schönen Lebensabend und ein herzliches Willkommen im Tod zu wünschen.“ Mit diesen Worten drehte sich Acia um und huschte die Treppe herauf. Themma war außer sich vor Wut. „Du wagst es!“, kreischte sie. „Mich hier stehen zu lassen? Und meine Vertraute umzubringen?“ – „Das ist nicht meine Schuld.“ Acia wirbelte herum und nickte mit dem Kopf. Die vier Controller hinter Themma hatten verstanden. Carry stieß sich vom Boden ab und trat der Kanzlerin in den Rücken. Themma fiel nach vorn. Sie war so überrascht, dass sie gar nicht mitbekam, wie sich die vier Kinder um sie versammelten.

     „Ich wünsche Ihnen alles Gute“, fuhr Acia fort. Und grüßen Sie meinen Bruder von mir.“

Acia zog das Arkanum aus der Tasche, das Locor aus den vier Teilen zusammengesetzt hatte.         „Nein!“, schrie Themma verzweifelt. „Das kann nicht sein!“ Sie musste ihren Kopf verrenken, um sehen zu können, was Acia nun tat. Sie zog die Uhr an einem kleinen Rädchen auf. Dann drehte sie die Zeiger so, dass sie auf die Kanzlerin zeigten. „Dann mal los, meine Kleine“, flüsterte Acia der Uhr zu und ließ das Rädchen los. Die Zeiger drehten sich schnell. Und je mehr Umdrehungen sie machten, desto weniger bewegte sich Themma. Ihre Haut verlor alle Farbe. Und schließlich löste sie sich in den Staub auf, den sie so oft zu ihrem Nutzen verwendet hatte. „Und dann war sie nicht mehr“, seufzte Acia und warf die abgelaufene Uhr beiseite. Das Glas zersprang und die Zahnräder flogen aus dem Gehäuse. Aber das störte das Mädchen nicht weiter. Sie hatte es geschafft. Acia blickte sich in der Halle um. Dann nickte sie Giada kurz zu und stapfte weiter die Treppe hinauf.

„Ich geb’s auf“, murmelte Jason erschöpft. Er kam nicht ins System des Palastes hinein. Jason fuhr die Computer herunter und steckte die Kabel im Server wieder an ihre alten Plätze. Dann schloss der die Tür und drehte sich zum Tresen um. „Tschüs, Lennox!“ – „Alles Gute, mein Junge“, erwiderte der alte Mann fröhlich. „Aber, bevor du gehst. Was hast du denn genau versucht?“ – „Ich wollte mich ins System der Kanzlerin einhacken. Tschüs, Lennox!“ Lennox war sprachlos, lachte aber, als Jason den Laden verließ. Ins System der Kanzlerin einhacken, dachte er, der Junge wollte wohl nur einen Spaß mit mir machen. Von plötzlicher Eile getrieben, erhoben sich die Concordiatoren in die Luft und verschwanden. Was auch immer sie dazu verleitet hatte, war Iris herzlich egal. Langsam schlich sie auf den Palast der Macht zu, an den Gondeln und Luftschiffen vorbei, die sich zu ihrer Linken und Rechten befanden, da sie auf dem Weg ging. Sie schlenderte über die Straße und kam kurz darauf an den Treppen an, die zum kleinen Plateau vor dem Tor führten. Sie blickte hinauf und  traute ihren Augen nicht. Auf dem Balkon, der sich als Dach über das Tor spannte, erblickte Iris Acia. Diese öffnete den Mund und hielt eine Ansprache, die jeder in Circur hören sollte.

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fabula vaporis – Kap. 55

Giada hatte schon einen Plan im Kopf, wie sie den Ilaner ausschalten könnten, der hinter ihnen her ging und sie mit dem Maschinengewehr vorantrieb. „Sagen Sie mal“, warf das Mädchen ein. „Was ist eigentlich die Aufgabe eines Ilaners?“

     „Das geht dich überhaupt nichts an, Mädchen“, keifte er zurück.

„Dann erzählen Sie uns doch wenigstens, wie die Ilaner erschaffen wurden“, schlug Caitlin nun vor, die Giadas Plan erkannt, verstanden, analysiert und abgewogen hatte. „Dann sterben wir nicht dumm.“ – „Das weiß ich selber nicht mal…“ Der Ilaner stutze und blieb stehen. Während er kurz überlegte, wie er den Satz vollenden könnte, ließ er das Maschinengewehr in seiner Hand sinken. Auf diesen Moment hatte Giada gewartet. Das einzige, was der Ilaner noch spürte, war der Lauf des Maschinengewehr an seinem Hals und dann der Schuss, der ihm in den Ohren dröhnte. Daraufhin kippte er tot zu Boden. „Gut“, sagte Caitlin. „Das hätten wir. Ich würde vorschlagen, dass wir ganz schnell ’ne Biege machen. Den Schuss hat man mit Sicherheit gehört.“ – „Wohin?“, fragte Carry, während sie neben den anderen herlief, die sich sofort nach Caitlins Beschluss in Bewegung gesetzt hatten. „Ich würde sagen, dass wir unseren alten Plan wieder aufgreifen“, rief Giada von hinten. „Und in die Eingangshalle rennen.“ Die Controller waren an der Treppe angelangt und rannten sie hinunter. Sie kamen in das Erdgeschoss des Außenflügels, das auch zugleich die erste Etage bildete. Rechts ging es in die große Halle.

     „Wo ist Acia?“, fragte Josh leise.

     „In der Eingangshalle“, erwiderte Caitlin.

     „Und wo da?“, erkundigte sich Dillion fahrig.

„Sie steht neben der großen Treppe hinter einem Pfeiler. Frag mich nicht, wie sie es dahin geschafft hat. Wartet… Jetzt könnt ihr sie auch sehen.“ Acia sprang hinter der Säule hervor und setzte sich auf die Treppe. Themma und Androma redeten immer noch miteinander, die anderen Concordiatoren hatten die Halle verlassen und sich vor dem Tor postiert oder irgendwo im Innenhof verteilt. Themma hatte zudem befohlen, dass die drei Ilaner, die in der Halle am Tor Wache geschoben hatten, den Concordiatoren folgen sollten, sodass die beiden Frauen allein waren. „Los, los, los!“, rief Carry leise und schlich sich in die Halle, die anderen vor sich hertreibend, wie eine Schafsherde. „Sonst macht Acia noch eine Dummheit…“ Aber es war schon zu spät. Acia hatte den Mund aufgemacht und angefangen zu reden. Themma drehte sich mit einem wütenden, aber auch angstvollen Blick um und starrte das Mädchen an, das auf der Treppe saß und sie feindselig anlächelte. Die anderen Controller bemerkte weder die Kanzlerin noch Androma. Nur Acia entging nicht, dass sich ihre Freunde in die Eingangshalle geschlichen hatten und vor dem Tor Posten bezogen. Alle Controller sahen nun die beiden Frauen an, die in der Mitte des Saals standen. „Hallo, Themma Tighhoor“, sagte Acia kalt und erhob sich. Sachten Schrittes kam sie die Treppe herunter.

     Themma wandte sich nun gänzlich dem Mädchen zu.

Androma wusste nicht, was sie tun sollte, aber als sie sich zum Tor drehte und Giada erblickte, schienen ihre Augen vor Bosheit Funken zu sprühen. „So sieht man sich wieder, Giada Fortras“, zischte Androma und kam auf sie zu. Giada grinste ironisch. „Ganz genau, Androma Carila.“

     Acia gegen Themma.

     Giada gegen Androma.

Aber Josh wusste nicht, auf wessen Seite er sich stellen sollte. Auch Dillion, Caitlin und Carry waren unschlüssig, was zu tun war, um beiden Controllern gerecht zu werden. In der Mitte des Saals hatte Themma Tighhoor einen Stab aus Granit beschworen, der aus dem Boden gewachsen war. Eine blaue Kugel hatte sich an der Spitze des Stabs gebildet und hielt ihn so am Leben, und sorgte dafür, dass der Stab nicht so leicht zerfiel. Ein Stab ließ seinen Beschwörer, nach Themma, mächtiger aussehen – und zeigte eine Autorität und Macht, die den Gegner vor Angst zurückschrecken ließ. Acia versuchte, sich den Angriffen der Kanzlerin zu widersetzen und ihnen auszuweichen. Themma ließ den Stab in regelmäßigen Abständen auf den Boden krachen und erzeugte damit in Acias Richtungen, Detonationswellen, die das Mädchen immer wieder von den Füßen rissen. Irgendwann blieb Acia liegen. Themma warf den Stab beiseite und er ging dahin, wo er hergekommen war. Dann trat die Frau an das auf dem Boden liegende Mädchen heran und stellte sich vor ihre Füße.

     Auf sie herabblickend sagte Themma: „Du bist so naiv.“

     „Danke“, keuchte Acia. „Möchten Sie mit mir reden, oder mich gleich umbringen?“

     „Ich denke, dass ich dich nicht gleich umbringen werde“, gestand Themma.

„Dieselbe Schwäche, wie auch bei Tammo“, erwiderte Acia boshaft und starrte die Kanzlerin feindselig an. Themmas Blick wurde hart. Dann klatschte sie einmal in die Hände und kühle Luft umspielte ihre Handflächen, die sie gen Hallendecke gestreckt hatte. „Das wird dir leid tun“, murmelte Themma mit einem unheilvollen Unterton in der Stimme. Auf der anderen Seite der Eingangshalle standen sich Giada und Androma schon geraume Zeit gegenüber und sahen sich einfach nur an. „Du hättest einfach nur ‚ja‘ sagen müssen, Giada“, sagte die Concordiatorin nach Minuten banger Stille. Giada hatte mitbekommen, was Acia passierte, und gab den vier anderen Controllern ein knappes Zeichen, das Androma nicht bemerkte. Josh, Dillion, Caitlin und Carry verstanden aber und schlichen sich an Themma heran. Androma lächelte listig, als sie bemerkte, was die Kinder hinter ihrem Rücken taten. Wenn ein anderer Themma Tighhoor beseitigte, war sie einerseits ihre Freundin endlich los – und keiner könnte ihr die Schuld in die Schuhe schieben. Zufrieden fuhr Androma fort und redete weiter auf Giada ein.

     „Aber du hast dich für Acia Merchant entschieden.“

„Aus gutem Grund“, versetzte das Mädchen. „Weil du und deine Anhänger nie etwas erreicht habt. Und außer dem Großbrand im Innenring habe ich nichts von euch mitbekommen. Deshalb“, Giada trat an Androma heran und senkte die Stimme, „solltest du schleunigst verschwinden. Sonst hast du nicht mehr lange zu leben.“

     „Warum willst du mich umbringen?“

„Weil du meine Schwester umgebracht hast!“, schrie Giada und stürzte sich auf die Concordiatorin. Androma reagierte einen Augenblick zu langsam. Der Stoß, den Giada der Frau versetzte, warf diese um und sie landete hart auf dem Rücken. Das Mädchen drückte den Brustkorb der Frau mit einem Fuß zusammen. „Das Messer habe ich lange aufbewahrt. Und nur für diesen Moment!“ Giada hatte ihre Stimme wieder gesenkt und hielt das Messer in die Höhe, das sie aus einer Innentasche ihrer Jacke gezaubert hatte. Andromas Gesicht wurde eine Spur blasser. Sie erkannte diese Klinge. Eben jenes Messer, mit dem sie Elain Fortras ermordet hatte. Bewiesen war dies nie, da die Leiche nicht gefunden wurde, aber das war oft so in Circur. Je weniger Leichen, desto weniger Aufruhre.

     „Sie war es selber Schuld“, rief die auf dem Boden liegende Frau verzweifelt.

„Nein“, sagte Giada entschieden und hielt das Messer mit der Klinge nach unten direkt über Andromas Brustkorb. Giada ließ los. Das letzte, was Androma von sich gab, war ein leises „Vergib mir, Schwester“, dann starb sie. Und Giada weinte.

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Manche mögen’s heiß

Ein Schwarz-Weiß-Film, an dem man hängen bleibt. Warum „Manche mögen’s heiß“ heute immer noch lustig ist. Wie immer nicht spoilerfrei.

Es gibt da diesen einen Film aus dem Jahre 1959 mit Marilyn Monroe, den wohl jeder kennt. Zwei Musiker zum Zeitpunkt der Prohibition auf der Flucht vor der Polizei treffen in einem Zug auf eine Musikkapelle und fahren ans Meer. Sie haben beide in einem illegalen Nachtclub gespielt und sind nun arbeitslos.

An dieser Geschichte klingt erstmal nichts besonders, jedoch beachte man die Fallhöhe, die direkt zu Beginn des Films installiert wurde: Die beiden Herrschaften kleiden sich in Damenmode, um vor der Polizei unentdeckt fliehen zu können. Das funktioniert leider so gut, dass sie in der Kapelle auch als Frau wahrgenommen werden und ihre Tarnung so aufrechterhalten müssen.

Die Komödie ist von vorn bis hinten sehr spaßig anzusehen und sorgt für herzhafte Lacher. Leider verkommt gerade die Hauptdarstellerin hier zu dem „dummen Blondchen“, was auch heutzutage noch viel zu oft als Slapstick oder Quelle-des-Lachens installiert wird und einer Komödie direkt Tiefgang stiehlt. Denn den darf auch eine Komödie haben.

Das Ensemble der bis zu vier Hauptdarsteller:innen harmoniert jedoch wunderbar und gerade der Schlagabtausch zwischen Joe und Jerry ist einfach nur witzig. Man merke: „Manche mögen’s heiß“ ist ein wunderbarer Film, den man auch noch zu später Stunde anschauen kann!


Manche mögen’s heiß (1959)

Regie: Billy Wilder
Länge: 121 Minuten
Kinostart (D): 17.09.1959

Trailer

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fabula vaporis – Kap. 54

Das Boot hatte längst das Ufer erreicht und die beiden Insassen waren ausgestiegen. Dann hatten sie die Straßen Circurs durchquert und standen nun vor den Trümmern der Halle und starrten sich an. Schon auf dem Weg hierher hatten sie die Ausmaße des Virus‚ erkannt. Häuser waren eingestürzt, Schreie der Qual drangen aus den offenen Fenstern auf die toten Straßen. Die Trümmer hatte noch niemand beseitigt, wohl aber die Leichen der Menschen, die dem Virus zum Opfer gefallen waren. „Ich glaube“, sagte Iris, die sich schnell wieder gefasst hatte. „Wir müssen die Controller woanders suchen.“

     „Da kann ich dir nur Recht geben“, pflichtete Jason dem Mädchen bei.

     „Und jetzt?“, fragte Iris.

„Ich würde sagen“, antwortete der Junge. „Wir gehen jetzt wieder zu unserem Boot und fahren zurück zum Palast der Macht. Es würde Stunden dauern, ehe wir auch nur einen Bruchteil unserer Mitglieder informiert hätten.“ – „Das stimmt“, sagte das Mädchen. „Dann machen wir es, wie du gesagt hast.“

     „Vorher aber“, fügte Jason seinem Plan noch hinzu. „Müssen wir an einem Computerladen vorbei.“

     „Aber du hast doch kein Geld.“

„Das ist wahr“, seufzte Jason. „Würde es dir etwas ausmachen, alleine zum Palast zurückzugehen?“, fragte er. „Nein“, erwiderte Iris. „Und was willst du in der Zwischenzeit machen?“

     „Ich werde einen Computerladen aufsuchen.“

Iris schüttelte verwirrt den Kopf. „Hast du mir nicht gerade Recht gegeben, in Bezug auf deinen Geldmangel?“ – „Ich hab da einen Freund, der mir noch einen Gefallen schuldig ist. Ich habe ihm mal seinen Server widerhergestellt.“ – „Na dann“, lachte Iris. „Sehen wir uns später.“ Mit diesen Worten sprang das Mädchen über die mit Schutt besetzten Rasengittersteine in die Richtung, aus der beiden eben gekommen waren. Jason machte sich in die andere Richtung auf und trat kurze Zeit später in einen Laden ein, der im Innenring lag. „Hallo, Lennox. Ich brauche deine Hilfe“, kam Jason direkt zur Sache, als er eintrat. „Hallo, mein Junge“, erwiderte ein etwas älterer Mann, der sich ganz wie ein Matrose gekleidete hatte, inklusiv der mit einem Gummizug versehenen Mütze. „Was kann ich für dich tun?“ – „Ich brauche einen Computer mit zwei Bildschirmen, und deinen Server. Hast du noch die DVD mit den Installationsdateien, die ich dir mal gegeben habe?“

     „Ja, klar. Aber wofür denn?“

     „Wenn ich dir das jetzt sage, dann schmeißt du mich raus“, erwiderte Jason.

„Na dann“, lachte der Seemann. „Da drüben an der Wand steht ein Computer. Wie du auf meinen Server zugreifen kannst, weißt du ja. Und die DVD… Ich geh sie mal suchen.“ Jason nickte zufrieden und setzte sich auf den Drehstuhl, der vor dem Tisch mit den beiden Computern stand. Der Junge schaltete beide an und öffnete die Tür des Servers, der direkt neben dem Tisch stand. Lennox trat an den Tisch heran und legte die DVD darauf. „Hier hast du sie, Jason“, sagte er erheitert. „Dann will ich dich mal nicht weiter stören.“ Er verschwand hinter dem Tresen, der zugleich die Kasse bildete und holte eine altertümliche Rechenmaschine hervor, auf der er munter herumtippte. Lennox Mardira verkaufte zwar Computer, aber damit umgehen konnte er nicht. Nur einen wahnsinnig hohen Profit aus ihnen herausschlagen. Lieber nutze der Mann die älteren Rechenmaschinen, mit denen er einfach besser umgehen konnte. Die Computer waren beide hochgefahren und Jason legte die DVD in das Laufwerk ein. Mit einem Summen setzte der Ventilator des Rechners ein, an den beide Bildschirme angeschlossen waren. Das Installationsprogramm startete und mit einem Klick legte Jason einen neuen Ordner an. Ein Balken zeigte Jason an, wie weit das Installationsprogramm die Dateien in den neuen Ordner kopiert hatte.

Installationsstatus: 20%

Da Jason die Dateien sehr klein gehalten hatte, war der Computer mit dem Installieren schnell fertig und spie den Datenträger wieder aus, indem er das Laufwerk öffnete. Jason nahm ihn heraus und legte ihn auf den Tisch, ehe er das Laufwerk wieder schloss. Ein Fenster zeigte Jason eine Liste der Installierten Programme an.

Algorithmusprogramm_Jason                       100% kopiert, öffnen?

Programmiersprache_Jason_neu_C++       100% kopiert, öffnen?

Editor_Jason_C++                                       100% kopiert, öffnen?

Development_Studio_Jason_002                  100% kopiert, öffnen?

A_M_Jones_Search.exe                                100% kopiert, öffnen?

P_H.exe                                                         100% kopiert, öffnen?

Eine weitere Liste enthielt eine Reihe von Anweisungen. Jason sah die Aufzählung schnell durch.

Nach 1% der Installation wurden folgende Änderungen an Ihren Dateien / Systemdateien vorgenommen:

  1. Algorithmusprogramm_Jason zu 7% kopiert. Dateien entpackt: Konstruktor.exe, Destruktor.exe, 00000000001.exe, Found.exe, Default.exe, Implementation.cpp, Projektgenerierung.cpp, Modul: AA_Jason (2%)
  2. _Jason_neu_C++ zu 5% kopiert. Dateien entpackt: Studion_Programming.exe
  3. Editor_Jason_C++ zu 10% kopiert. Dateien entpackt: keine
  4. Development_Studion_Jason_002 zu 14% kopiert. Dateien entpackt: Start.exe, DStart.exe, GStart.exe, SStart.exe, Partitionkommunikation_5.exe, Default.exe, Einbinden.modul.cpp, Modul: AA_Jason (2%), AB_Jason (5%)
  5. A_M_Jones_Search.exe zu 1% kopiert. Dateien entpackt: keine, 1 *.exe zu 5 GB
  6. P_H.exe zu 6% kopiert. Dateien entpackt: P_H.1.exe, P_H.2.exe

Die Liste war beinahe unendlich lang, aber Jason schloss sie mit einem Klick auf ein kleines Kreuzchen, das neben der Liste war. Dann drückte er auf den Button Alle Programme öffnen und die Taskleiste füllte sich. Dann startete er die Systemsteuerung, setzte den Fokus auf sein Algorithmusprogramm und fing an, ein Programm zu schreiben, dass ihm ermöglichen würde, in das gut gesicherte Netzwerk und den Server der Kanzlerin hineinzukommen. Aber das würde noch eine Weile dauern. Da war Jason sich sicher. Iris war wieder zum Boot zurückgekehrt und hatte den Motor angelassen. Nach kurzer Zeit schon hatte sie wieder am Steg beim Palast geankert und sich hinter dem Luftschiff versteckt. Nun wartete sie auf ein Zeichen von Acia oder irgendjemand anderem. Bisher vergeblich.

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fabula vaporis – Kap. 53

Giada, Josh und Dillion hatten sich hinter dem Treppenaufgang versteckt und spähten über die Stufen hinein in die Eingangshalle. Nachdem Themma das Portal geöffnet hatte, waren dreiunddreißig Personen herein geflogen. Giada wusste, wer das war. „Das sind die Concordiatoren„, bemerkte sie. „Eine Gruppe, die von Androma angeführt wird. Bevor ich zu den Controllern gekommen bin, hat mich diese Frau gefragt, ob ich den Concordiatoren beitreten will.“

     „Und wer von ihnen ist Androma?“, wollte Dillion wissen.

     „Die Frau, die sich gerade mit Themma unterhält.“

Themma lächelte Androma erheitert an und sagte etwas, das aber im Geraschel der anderen unterging und die drei Kinder nicht erreichte. Plötzlich erklangen Schritte auf dem Gang, aus dem vor einiger Zeit Giada, Josh und Dillion gekommen waren. „Versteckt euch!“, zischte Josh und verschwand hinter einer Säule, die neben dem Treppenaufgang war. Die anderen beiden traten hinter Josh. Erst, als die Person, deren Schritte sie gehört hatten, am torlosen Eingang des Außenflügels angekommen war, trat Josh hinter der Säule hervor und bedeutete Acia zu ihm zu kommen.

     „Was machst du denn hier?“, fragte er.

     Acia winkte ab und deutete auf die Eingangshalle. „Die Frau kenne ich“, murmelte sie.

     „Wir auch seit etwa einer Minute“, murmelte Dillion und kam mit Giada hinter der Säule hervor.

Giada flüsterte Acia etwas ins Ohr. Diese zog erstaunt die Brauen nach oben und flüsterte zurück. Giada nickte. „Kommt mit“, sagte sie zu Josh und Dillion. „Die Treppe hinauf.“

     „Und Acia?“, fragte Josh.

     „Ich bleibe hier. Nun geht schon“, drängte sie.

Josh beeilte sich, um die beiden anderen einzuholen. Als die drei die Treppe verlassen hatten und eine weitere hinaufgingen, die sich direkt neben dem einen Aufgang befand, über die die drei Controller hinaufgegangen waren, aber in die andere Richtung eine Etage höher führte, sah Acia sich kurz um, dann schlich sie in die Eingangshalle und versteckte sich in einem Alkoven, der in der Mauer eingelassen war, die den Außenflügel von der Eingangshalle trennte.

     „Dann wollen wir mal“, murmelte das Mädchen und schloss die Augen.

Als sie sie wieder öffnete, verfärbte sich ihre Iris zu einem Blau, von dem ein schwaches Leuchten ausging. Acia nahm allen Mut zusammen und trat aus der Nische hervor. Carry und Caitlin rannten durch den Korridor, der sich vor ihnen erstreckte. Am Ende gähnte ein Torbogen den beiden entgegen und eine Treppe führte ein Stockwerk tiefer. Schnell rannten die beiden Mädchen diese herunter und landeten im dritten Stock des Hauptkomplexes. Eine weitere Treppe führte in das zweite Geschoss. Dort ging nach links und rechts jeweils eine Treppe ab. Links hörten die beiden Mädchen Schritte und sie versteckten sich hinter einer Säule, die neben der Treppe, die ins dritte Geschoss führte, war. Carry späte um die Ecke.

     „Kommt mit!“, rief sie Caitlin leise zu. „Da sind sie!“

„Wer?“, fragte das andere Mädchen und wurde von Carry mitgezogen. Dann sah sie es selber. Carry rannte schneller, als sie merkte, dass die drei Kinder vor ihr, versuchten sich zu verstecken. Erst, als Dillion sich umdrehte, bedeutete er Giada und Josh, stehen zu bleiben.

     „Gut, dass ihr hier seid“, sagte er. „Wo ist Acia?“

„Ich weiß es nicht“, keuchte Carry, die von dem Lauf ein wenig erschöpft war. Giadas Blick schweifte von Caitlin zu Carry und wieder zurück. Dann blinzelte sie einmal. „Ist nicht so schlimm. Acia unternimmt immer die gefährlichsten Aktionen. Wir werden sie schon wieder sehen.“ – „Warum wusste sie, dass wir hier auf euch treffen würden?“, fragte Carry, die das Zusammentreffen der fünf Controller nicht zufällig interpretierte. „Das, meine Liebe“, erwiderte Dillion theatralisch. „Ist die unsagbar geniale Planung von Acia Merchant. “ Caitlin und Giada schnappten nach Luft. „In Zusammenarbeit mit unseren beiden Plänemachern, Caitlin und Giada“, fügte Dillion schnell hinzu, ehe die beiden Mädchen etwas dazu sagen konnten.

     „Das habe ich dir jetzt nicht verziehen“, sagte Giada.

„Wenn dieses Unternehmen vorbei ist“, fügte Caitlin hinzu. „Dann räche ich mich an dir. Und du kannst dich nirgendwo verstecken…“ Das Mädchen tippte an ihren Kopf. „Ich sehe dich überall!“ – „Dann frage ich Jason eben“, sagte Dillion, der Giada und Caitlin keinen Glauben schenkte. „Er kennt bestimmt ein Versteckt für mich.“

     „Die Unterwelt Circurs“, sagte Carry nur und stoppte die drei in ihrer Unterhaltung über Rache.

     „Na gut“, gab Dillion zu. „Du kannst mich überall finden, egal, wo ich mich verstecke…“

Caitlin nickte zufrieden und deutete auf die Treppe, über die Giada, Josh und Dillion vor einiger Zeit gekommen waren. „Ich würde vorschlagen, dass wir Themma Tighhoor einen Besuch abstatten.“ – „Oh, ja“, sagte da eine tiefe Stimme. „Da wird sie sicher viel Spaß mit euch haben.“ Der Ilaner trat aus einem Raum und erhob das Maschinengewehr, das er mit einer Kordel am Hals befestigt hatte.