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Lakritzpizza for Oscar

Ein Film, der mit dem Titel so wenig zu tun hat, wie eine Pizza mit Lakritz. Hier die nicht spoilerfreie Kritik zum Oscarkandidaten „Licorice Pizza“.

Alles erinnert ein wenig an den Film „The Vast of Night“ (Die Weite der Nacht), der seit längerem schon bei einem namhaften Streaminganbieter zu sehen ist. Eine coole Prämisse, ein einfaches Setting, wenige Darsteller und irgendwie – ein merkwürdiger Film. Dennoch sehr gut anzuschauen. So ähnlich geht es auch dem Film „Licorice Pizza“ von Paul Thomas Anderson.

Wir begleiten praktisch zwei junge Menschen – Gary Valentine und Alana Kane – bei ihrer Reise zum Erwachsenwerden, wobei strenggenommen Alana schon erwachsen ist. In verschiedenen Episoden zeigt uns Anderson die Schritte, die es über Jahre hinweg braucht, einen Menschen zu erobern. Komisch wird es, dass hier mit dem Altersunterschied gespielt wird – Gary ist gerade einmal 15 Jahre alt, die Fotoassistentin Alana betreut die Jahrbuchfotos, als Gary ihr eröffnet, dass er sie heiraten möchte. Diese ersten 15 Minuten zeigen schon, was den Zuschauer erwartet: ein herrlich frisches Liebesdrama? Oder eine äußerst gelungene Komödie?

In gewisser Hinsicht bekommen wir beides vor die Füße geworfen. Dass die beiden am Ende des Films nach einigen Durststrecken und Längen zusammenkommen, muss unweigerlich aus dramaturgischen Aspekten geschehen – sonst sähen wir nach den fast zweieinhalb Stunden auch ziemlich alt aus.

Doch wie der Regisseur, der gleichzeitig auch der Autor ist, diese Geschichte immer wieder mit neuen komischen Elementen füllen kann, ist genial. Leider kommen dadurch auch immer wieder einige Längen auf, die durch die abwechslungsreiche Story aber schnell wieder wettgemacht werden.

Man nehme zum Beispiel das Wasserbettenbusiness, das Gary aus dem Nichts mit seinen Freunden eröffnet. Eine halbe Stunde bis Stunde später verkauft er keine Wasserbetten – nein, Flipperautomaten füllen jetzt das Ladenlokal. Während Alana zunächst die Jahrbuchfotos betreut, landet sie einige Zeit später im Wahlbüro des Bürgermeisters. Achja, zwischendurch wollte sie noch Schauspielerin werden und mit Sean Penn vor die Kamera.

Insgesamt kann der Film mit viel Charme und Raffinesse punkten und glänzt durch die Schauspielleistungen der Darsteller:innen. Ein Film, wie wir ihn lange nicht mehr gesehen haben – definitiv eine Sichtung wert.


Licorice Pizza (2021)

Regie: Paul Thomas Anderson
Länge: 134 Minuten
Kinostart (D): 27.01.2022

Trailer

Empfehlungsskala

Autor:

www.tvinart.de

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