Veröffentlicht in allgemein, cinematographica

House of Gucci

Die nicht spoilerfreie Kritik zu einem jüngeren Film – einem weiteren in der Reihe der Biopics über Mode und Macht, Familie und Streit. Willkommen im House of Gucci.

Die Frage, die über 2 Stunden in jedem Kopf herumschwirrt, der im Kino sitzt? Nun, wie kann jemand so geld- und machtgeil sein, wie Patrizia Reggiani. Übrigens tadellos gespielt von Lady Gaga.

Der Film beginnt gemächlich. Die junge Patrizia fährt mit einem stylischen Wagen zu ihrem Vater auf den LKW-Hof. Sie arbeitet in der Spedition und lernt später auf einer Party den jungen Maurizio Gucci kennen. Schnell wird klar: Sie will nicht nur etwas von ihm, sondern ganz besonders etwas von seinem Pomp, seinem Geld und seinem Glanz. In jeder Sekunde, die Patrizia zu sehen ist, strahlt sie eine Gier nach Mehr aus – das ist in jeder dieser Sekunden glaubhaft und verachtenswert. Denn hier geht jemand für Materielle und Immaterielle Werte buchstäblich über Leichen.

Dabei lässt sich Maurizio von Patrizia einwickeln. Es dauert nicht lange, und er tanzt komplett nach ihren Regeln, hintergeht die Familie, die er so liebt. Es dauert eine Zeit, bis Maurizio erkennt, dass Patrizia ihn ausnimmt. Patrizia versucht auch, mögliche Konkurrentinnen zu entfernen; gerade die Jugendfreundin von Maurizio ist ihr ein Dorn im Auge. Doch muss Maurizio am Ende erkennen, dass er Patrizia nicht mehr liebt und durch diese Erkenntnis wird er tatsächlich frei.

Ein neues Problem bahnt sich jedoch an, denn im Gegensatz zu Maurizio schien Patrizia die Geschäfte des Labels Gucci sehr gut zu kennen – denn einmal hart erkämpfte Macht muss verteidigt werden vor dem Weltmarkt. Das Unternehmen geht zugrunde. Als Patrizia keinen Ausweg mehr sieht, lässt sie ihren Exmann ermorden.

Und gerade in der letzten Szene brilliert diese giergetränkte Atmosphäre. Patrizia klammert sich so sehr an den angeheirateten Namen „Gucci“, dass sie alles außer Acht lässt: Sitten, Gewissen, ihre eigene Familie. Und an diesen Stellen ist der Film auch sehr, sehr gut.

Und doch reiht er sich am Ende auch nur in die endlose Zahl an Biopics, die seit mehreren Jahren aus dem Boden wachsen. Die besondere Spannung bleibt blass, neben dem durchaus sehr brillierenden Spiel von Lady Gaga und Adam Driver. Und das ist schade, denn zweieinhalb Stunden plätschernde Handlung haben wir eben schon viel zu oft gehabt.


House of Gucci (2021)

Regie: Ridley Scott
Länge: 157 Minuten
Kinostart (D): 02.12.2021

Trailer

Empfehlungsskala

Autor:

www.tvinart.de

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