fabula vaporis – Kap. 56

„Was passiert eigentlich“, fragte Acia. „Wenn Sie sterben? Sterben dann auch die Ilaner?“ – „Nein“, sagte Themma leise, den Gedanken der Rache noch im Hinterkopf. „Warum sollten sie? Sie brauchen immer einen Führer, denn ihre Aufgabe ist es, dem Anführer zu folgen. Aber wenn es keinen gibt, wer soll sie dann befehlen?“

     „Warum erzählen Sie mir das?“

     „Weil du es sowieso weißt.“

„Das stimmt“, erwiderte Acia. Dann erhob sie sich. „Aber wissen Sie.“ Das Mädchen befreite sich vom Staub. „Sie sind so naiv, dass mir leider nichts anderes übrig bleibt, Ihnen einen schönen Lebensabend und ein herzliches Willkommen im Tod zu wünschen.“ Mit diesen Worten drehte sich Acia um und huschte die Treppe herauf. Themma war außer sich vor Wut. „Du wagst es!“, kreischte sie. „Mich hier stehen zu lassen? Und meine Vertraute umzubringen?“ – „Das ist nicht meine Schuld.“ Acia wirbelte herum und nickte mit dem Kopf. Die vier Controller hinter Themma hatten verstanden. Carry stieß sich vom Boden ab und trat der Kanzlerin in den Rücken. Themma fiel nach vorn. Sie war so überrascht, dass sie gar nicht mitbekam, wie sich die vier Kinder um sie versammelten.

     „Ich wünsche Ihnen alles Gute“, fuhr Acia fort. Und grüßen Sie meinen Bruder von mir.“

Acia zog das Arkanum aus der Tasche, das Locor aus den vier Teilen zusammengesetzt hatte.         „Nein!“, schrie Themma verzweifelt. „Das kann nicht sein!“ Sie musste ihren Kopf verrenken, um sehen zu können, was Acia nun tat. Sie zog die Uhr an einem kleinen Rädchen auf. Dann drehte sie die Zeiger so, dass sie auf die Kanzlerin zeigten. „Dann mal los, meine Kleine“, flüsterte Acia der Uhr zu und ließ das Rädchen los. Die Zeiger drehten sich schnell. Und je mehr Umdrehungen sie machten, desto weniger bewegte sich Themma. Ihre Haut verlor alle Farbe. Und schließlich löste sie sich in den Staub auf, den sie so oft zu ihrem Nutzen verwendet hatte. „Und dann war sie nicht mehr“, seufzte Acia und warf die abgelaufene Uhr beiseite. Das Glas zersprang und die Zahnräder flogen aus dem Gehäuse. Aber das störte das Mädchen nicht weiter. Sie hatte es geschafft. Acia blickte sich in der Halle um. Dann nickte sie Giada kurz zu und stapfte weiter die Treppe hinauf.

„Ich geb’s auf“, murmelte Jason erschöpft. Er kam nicht ins System des Palastes hinein. Jason fuhr die Computer herunter und steckte die Kabel im Server wieder an ihre alten Plätze. Dann schloss der die Tür und drehte sich zum Tresen um. „Tschüs, Lennox!“ – „Alles Gute, mein Junge“, erwiderte der alte Mann fröhlich. „Aber, bevor du gehst. Was hast du denn genau versucht?“ – „Ich wollte mich ins System der Kanzlerin einhacken. Tschüs, Lennox!“ Lennox war sprachlos, lachte aber, als Jason den Laden verließ. Ins System der Kanzlerin einhacken, dachte er, der Junge wollte wohl nur einen Spaß mit mir machen. Von plötzlicher Eile getrieben, erhoben sich die Concordiatoren in die Luft und verschwanden. Was auch immer sie dazu verleitet hatte, war Iris herzlich egal. Langsam schlich sie auf den Palast der Macht zu, an den Gondeln und Luftschiffen vorbei, die sich zu ihrer Linken und Rechten befanden, da sie auf dem Weg ging. Sie schlenderte über die Straße und kam kurz darauf an den Treppen an, die zum kleinen Plateau vor dem Tor führten. Sie blickte hinauf und  traute ihren Augen nicht. Auf dem Balkon, der sich als Dach über das Tor spannte, erblickte Iris Acia. Diese öffnete den Mund und hielt eine Ansprache, die jeder in Circur hören sollte.

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