fabula vaporis – Kap. 54

Das Boot hatte längst das Ufer erreicht und die beiden Insassen waren ausgestiegen. Dann hatten sie die Straßen Circurs durchquert und standen nun vor den Trümmern der Halle und starrten sich an. Schon auf dem Weg hierher hatten sie die Ausmaße des Virus‚ erkannt. Häuser waren eingestürzt, Schreie der Qual drangen aus den offenen Fenstern auf die toten Straßen. Die Trümmer hatte noch niemand beseitigt, wohl aber die Leichen der Menschen, die dem Virus zum Opfer gefallen waren. „Ich glaube“, sagte Iris, die sich schnell wieder gefasst hatte. „Wir müssen die Controller woanders suchen.“

     „Da kann ich dir nur Recht geben“, pflichtete Jason dem Mädchen bei.

     „Und jetzt?“, fragte Iris.

„Ich würde sagen“, antwortete der Junge. „Wir gehen jetzt wieder zu unserem Boot und fahren zurück zum Palast der Macht. Es würde Stunden dauern, ehe wir auch nur einen Bruchteil unserer Mitglieder informiert hätten.“ – „Das stimmt“, sagte das Mädchen. „Dann machen wir es, wie du gesagt hast.“

     „Vorher aber“, fügte Jason seinem Plan noch hinzu. „Müssen wir an einem Computerladen vorbei.“

     „Aber du hast doch kein Geld.“

„Das ist wahr“, seufzte Jason. „Würde es dir etwas ausmachen, alleine zum Palast zurückzugehen?“, fragte er. „Nein“, erwiderte Iris. „Und was willst du in der Zwischenzeit machen?“

     „Ich werde einen Computerladen aufsuchen.“

Iris schüttelte verwirrt den Kopf. „Hast du mir nicht gerade Recht gegeben, in Bezug auf deinen Geldmangel?“ – „Ich hab da einen Freund, der mir noch einen Gefallen schuldig ist. Ich habe ihm mal seinen Server widerhergestellt.“ – „Na dann“, lachte Iris. „Sehen wir uns später.“ Mit diesen Worten sprang das Mädchen über die mit Schutt besetzten Rasengittersteine in die Richtung, aus der beiden eben gekommen waren. Jason machte sich in die andere Richtung auf und trat kurze Zeit später in einen Laden ein, der im Innenring lag. „Hallo, Lennox. Ich brauche deine Hilfe“, kam Jason direkt zur Sache, als er eintrat. „Hallo, mein Junge“, erwiderte ein etwas älterer Mann, der sich ganz wie ein Matrose gekleidete hatte, inklusiv der mit einem Gummizug versehenen Mütze. „Was kann ich für dich tun?“ – „Ich brauche einen Computer mit zwei Bildschirmen, und deinen Server. Hast du noch die DVD mit den Installationsdateien, die ich dir mal gegeben habe?“

     „Ja, klar. Aber wofür denn?“

     „Wenn ich dir das jetzt sage, dann schmeißt du mich raus“, erwiderte Jason.

„Na dann“, lachte der Seemann. „Da drüben an der Wand steht ein Computer. Wie du auf meinen Server zugreifen kannst, weißt du ja. Und die DVD… Ich geh sie mal suchen.“ Jason nickte zufrieden und setzte sich auf den Drehstuhl, der vor dem Tisch mit den beiden Computern stand. Der Junge schaltete beide an und öffnete die Tür des Servers, der direkt neben dem Tisch stand. Lennox trat an den Tisch heran und legte die DVD darauf. „Hier hast du sie, Jason“, sagte er erheitert. „Dann will ich dich mal nicht weiter stören.“ Er verschwand hinter dem Tresen, der zugleich die Kasse bildete und holte eine altertümliche Rechenmaschine hervor, auf der er munter herumtippte. Lennox Mardira verkaufte zwar Computer, aber damit umgehen konnte er nicht. Nur einen wahnsinnig hohen Profit aus ihnen herausschlagen. Lieber nutze der Mann die älteren Rechenmaschinen, mit denen er einfach besser umgehen konnte. Die Computer waren beide hochgefahren und Jason legte die DVD in das Laufwerk ein. Mit einem Summen setzte der Ventilator des Rechners ein, an den beide Bildschirme angeschlossen waren. Das Installationsprogramm startete und mit einem Klick legte Jason einen neuen Ordner an. Ein Balken zeigte Jason an, wie weit das Installationsprogramm die Dateien in den neuen Ordner kopiert hatte.

Installationsstatus: 20%

Da Jason die Dateien sehr klein gehalten hatte, war der Computer mit dem Installieren schnell fertig und spie den Datenträger wieder aus, indem er das Laufwerk öffnete. Jason nahm ihn heraus und legte ihn auf den Tisch, ehe er das Laufwerk wieder schloss. Ein Fenster zeigte Jason eine Liste der Installierten Programme an.

Algorithmusprogramm_Jason                       100% kopiert, öffnen?

Programmiersprache_Jason_neu_C++       100% kopiert, öffnen?

Editor_Jason_C++                                       100% kopiert, öffnen?

Development_Studio_Jason_002                  100% kopiert, öffnen?

A_M_Jones_Search.exe                                100% kopiert, öffnen?

P_H.exe                                                         100% kopiert, öffnen?

Eine weitere Liste enthielt eine Reihe von Anweisungen. Jason sah die Aufzählung schnell durch.

Nach 1% der Installation wurden folgende Änderungen an Ihren Dateien / Systemdateien vorgenommen:

  1. Algorithmusprogramm_Jason zu 7% kopiert. Dateien entpackt: Konstruktor.exe, Destruktor.exe, 00000000001.exe, Found.exe, Default.exe, Implementation.cpp, Projektgenerierung.cpp, Modul: AA_Jason (2%)
  2. _Jason_neu_C++ zu 5% kopiert. Dateien entpackt: Studion_Programming.exe
  3. Editor_Jason_C++ zu 10% kopiert. Dateien entpackt: keine
  4. Development_Studion_Jason_002 zu 14% kopiert. Dateien entpackt: Start.exe, DStart.exe, GStart.exe, SStart.exe, Partitionkommunikation_5.exe, Default.exe, Einbinden.modul.cpp, Modul: AA_Jason (2%), AB_Jason (5%)
  5. A_M_Jones_Search.exe zu 1% kopiert. Dateien entpackt: keine, 1 *.exe zu 5 GB
  6. P_H.exe zu 6% kopiert. Dateien entpackt: P_H.1.exe, P_H.2.exe

Die Liste war beinahe unendlich lang, aber Jason schloss sie mit einem Klick auf ein kleines Kreuzchen, das neben der Liste war. Dann drückte er auf den Button Alle Programme öffnen und die Taskleiste füllte sich. Dann startete er die Systemsteuerung, setzte den Fokus auf sein Algorithmusprogramm und fing an, ein Programm zu schreiben, dass ihm ermöglichen würde, in das gut gesicherte Netzwerk und den Server der Kanzlerin hineinzukommen. Aber das würde noch eine Weile dauern. Da war Jason sich sicher. Iris war wieder zum Boot zurückgekehrt und hatte den Motor angelassen. Nach kurzer Zeit schon hatte sie wieder am Steg beim Palast geankert und sich hinter dem Luftschiff versteckt. Nun wartete sie auf ein Zeichen von Acia oder irgendjemand anderem. Bisher vergeblich.

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