fabula vaporis – Kap. 44

Andernorts – tief im Herzen der Unterwelt Circurs – standen die Controller wieder um das Feuer herum, in dem die kleinen Teufel tanzten.

     „Und?“, fragte einer von ihnen.

     „Habt ihr ihn gefunden?“, kicherte der andere.

     „Ich würde sagen…“, grinste ein anderer wieder.

     „Nein“, vollendete ein vierter Teufel den Satz.

     „Still!“, gebot ein fünfter Teufel. „Hört genau zu!“

     „Richtig!“, schrie ein anderer mit fröhlicher Stimme. „Immer schön zuhören!“

     „Geht“, murmelte ein siebter Teufel, der dann wieder vom ersten Teufel abgelöst wurde.

     „…Geht in Richtung Tor der Toten…“

     „Sagt mal“, warf Acia wütend ein. „Warum helft ihr uns so plötzlich? Vor ein, zwei Stunden wolltet ihr uns den Weg noch nicht erklären… Und jetzt…!“

     „Ja…“, murmelte der dritte Teufel gedehnt.

     „Wir haben es uns anders überlegt, weißt du!?“, schrie der vierte Teufel aus vollen Hals.

     „Und wo ist dieses Tor der Toten?“, fragte Jesse.

     „Ihr habt es bereits gefunden!“, rief Teufel Nummer sechs.

     „Das erste Arkanum… Klingelt’s?“, fragte der siebte Teufel, der dabei eine hässliche Grimasse schnitt.

     „Und wo finde wir den Ort?“, fragte Jesse und versuchte, seine Anspannung zu verbergen. Er wusste genau, wo die Controller hinmussten, aber wie er durch die Unterwelt dorthin gelangen konnte, war ihm rätselhaft.

     „Durch…“, murmelte der Teufel und wurde abgelöst.

     „…den…“, sagte ein weiterer Teufel.

     „…Thron!“, vollendete ein drittes Teufelchen den Satz.

     „Danke!“ Jesse drehte sich zu seinen Freunden um. „Wir müssen den Thron vom Herrn der Unterwelt beiseiteschieben!“

     „Na dann“, murmelte Acia. „An die Arbeit!“

     Jason, Jesse, Josh und Dillion stiegen die Stufen hinauf und versuchten mit vereinten Kräften, den Thron beiseite zu schieben. Nach mehreren Versuchen gelang es ihnen schließlich.

     „So“, sagte Dillion. „Dann können wir jetzt durch dieses Loch klettern.“

     „Nach euch.“ Acia deutete auf das Loch im Boden.

     „Na gut“, seufzte Josh und sprang in die dunkle Öffnung hinein. Die anderen Jungen und schließlich auch die Mädchen, folgten Josh und verschwanden in dem Loch im Boden.

     „Zwei Schritte von der Hölle entfernt…“, kicherte einer der Teufel den Kindern noch hinterher. Dann waren sie verschwunden.

     Aus dem Dunkel löste sich ein Schatten. „Vielen Dank meine Kameraden“, flüsterte er und ließ sich auf dem Thron nieder.

In einer Höhle im Mausoleum von Gwenna murmelte eine rotvermummte Frau einen Spruch die Elementkugel verschwand. Sie hatte verstanden und rauschte schnell aus dem Mausoleum heraus. Sie hatte nur ein Ziel. Und das war die Mechanische Hölle von Circur. Das Uhrwerk, das alles am Leben hielt. Wie hatte Themma nur so naiv sein können und glauben können, dass Locor Narcana tatsächlich in der Unterwelt weilte. Aber sie musste vorsichtig sein. Denn auch die Mechanische Hölle unterlag den Regeln des Master Mors.

     Und so einfach konnte kein Toter zu den Lebenden zurückgeholt werden.

     Es war immer ein Tribut nötig.

     In Form eines Menschen.

Sie fielen sehr tief. So tief, dass es ihnen vorkam, als hätten sie nach einigen Sekunden schon Lichtgeschwindigkeit erreicht. Der Schacht war eng und riss die Kleidung der Kinder an einigen Stellen auf. Auch der Dreck von den Wänden klammerte sich an die Baumwollfaser und wollte nicht mehr herausgehen. Dann kam es Josh – und den anderen Controllern – so vor, als ob der Schacht ein Ende hätte und sie durch den Ausgang gefallen wären. Und plötzlich wurde ihr Fall stark abgebremst. Sie landeten auf einem mit Holzlatten ausgelegten Boden. Am Rand des Plateaus drehten sich gewaltige Zahnräder mit lautem Klicken. Irgendwo her drang ein Surren, gefolgt von einem Glockenschlag.

„Der Ort, an dem das erste Arkanum gefunden worden ist!“, präsentierte Jesse stolz seine Theorie. „Seht ihr!“ – „Und jetzt?“, fragte Iris müde. Dann gähnte sie herzhaft.

     „Jetzt warten wir“, entschied Acia und ließ sich auf den Boden plumpsen.

„Worauf?“, fragte Caitlin. Sie war ganz verwirrt von dem, was sie mit geschlossenen Augen alles wahrnahm. „Auf Themma Tighhoor“, erwiderte Acia. „Ich bin sicher, dass sie jeden Moment hier auftauchen wird.“ – „Wenn das so ist“, gähnte Iris. „Kann ich ja noch ein bisschen schlafen, ehe die Kanzlerin hier sein wird.“ Damit legte sich das Mädchen – und mit ihr auch die vier Jungen – auf den Boden und schliefen ein.

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