fabula vaporis – Kap. 43

Mache die Dinge so einfach wie möglich – aber nicht einfacher.

Albert Einstein

Es knackte mehrmals leise, ehe Giada versuchte, den Griff hinunter zu drücken. Aber es gelang ihr nicht. „Irgendetwas blockiert die Tür“, murmelte sie. Sie schob den Draht in das Loch, aus dem sie eine Schraube herausgedreht hatte. Dann stocherte sie damit in der Tür herum. Es klackte erneut und Giada versuchte es noch einmal. „Mist“, fluchte sie. Dann gab sie auf. „Es geht nicht.“ Giada klang entrüstet. „Dann gib mir mal den Draht“, bat Caitlin und nahm ihn Giada aus der Hand. Dann versuchte das Mädchen es, anstelle von derjenigen, die ab besten die Türen knacken konnte. „Dann mal los“, murmelte Caitlin und schloss die Augen. Dann schob sie den Draht in das Loch, das Giada gemacht hatte, und tastete sich systematisch durch das Türinnere.

Es knackte einmal laut und die Tür sprang auf, als Caitlin die Klinke herunterdrückte. „Das war Heimdall“, flüsterte Josh. „Der Wächter der Brücke.“ – „Klar“, erwiderte Iris sarkastisch. „Und was kommt jetzt?“ – „Der Göttervater“, flüsterte Josh verheißungsvoll.

     „Aha“, mischte sich Carry ein. „Können wir denn vorher mal endlich durch diese Tür gehen?“

     Josh drehte sich um. „Äh… klar!“

     „Dann… Caitlin?“

Die Gruppe der Kinder setzte sich in Bewegung. Das erste, was ihnen entgegenschlug, war ein feuchter Modergeruch und kalte Luft, die den Kindern eine Gänsehaut einbrachte. „Was suchen wir nochmal?“, fragte Jesse. „Locor Narcana“, erwiderte Carry genervt, die vor ihm ging. „Du hast ein Gedächtnis wie ein Sieb!“ – „Entschuldigung“, murmelte Jesse. „Aber da kann ich wirklich nichts für!“, beteuerte er. „Ach nein?“, erkundigte Carry. „Da kenn ich aber noch andere Beispiele…“

     „Die da wären?“

     „Äh… So auf die Schnelle kann ich das jetzt nicht sagen… Aber, mir fällt bestimmt noch eins ein!“

     „Da bin ich aber gespannt…“, sagte Jesse. „Ich warte…“

Carry antwortete mit einem Fußtritt, der Jesse eigentlich am Schienbein treffen sollte. Weil Carry aber vor Jesse ging, stolperte sie und wäre beinahe hingefallen. Im letzten Moment, hielt Jesse Carry an ihrem Hemd fest, sodass sie nicht stürzte. „Danke“, sagte sie leise und ging weiter. „Gern geschehen“, antwortete Jesse. „Übrigens. Wie war das mit dem Gedächtnis? Hast du das Laufen verlernt? Dann nehme ich stark an, dass du ein Sieb in deinem Kopf hast.“ – „Jetzt halt deinen Mund“, drang es von vorn zu Jesse. Da gingen Carry die Argumente aus und sie schwieg, anstatt einen Kommentar an ihren Satz zu hängen. In dem Moment drang ein Stöhnen an die Ohren der Kinder. „Was war das?“, fragte Caitlin und blieb stehen. Iris, die hinter ihr ging, rannte in das Mädchen hinein und verwünschte Caitlin in Gedanken dafür. Aica zuckte mit den Schultern. „Ich habe nicht die leiseste Ahnung.“

     „Ich denke“, mischte sich Jason ein. „Dass das unser allgemein bekannter Erfinder war.“

     „Warum?“, fragte Iris.

     „Es ist einfach so“, antwortete Jason.

     „Und wenn es der Göttervater ist?“, fragte Josh.

Josh„, rief Carry. „Was willst du uns eigentlich mit deinem Göttervater sagen? Nur weil das mit dem Wächter gestimmt hat – und das auch nur knapp, denn es war ja eigentlich eine Tür – musst du doch nicht gleich vom Göttervater reden!“ – „Warum nicht?“, verteidigt sich Josh. „Es könnte genauso gut auch einen Göttervater geben. Wie wäre es, wenn es Master Mors höchstpersönlich ist!“ – „Was redest du da!“, zischte Jesse seinem Bruder zu, da er neben ihn getreten war. „Jetzt sei mal still!“ Josh murmelte eine Verwünschung, die an seinen Bruder gerichtet war, dann schwieg er. „Könnten wir gegebenenfalls weitergehen, oder schlagen wir jetzt Wurzeln?“, fragte Josh beleidigt. „Dann lasst uns gehen“, sagte Acia.

Etwa fünfzehn Minuten später hörten die Kinder das Stöhnen erneut. Diesmal war es lauter und näher. Ein Licht leuchtete in der Ferne auf. „Kommt“, murmelte Acia, die mit Caitlin den Platz getauscht hatte, und jetzt die Controller anführte. „Wohin?“, fragte Giada. „Wir gehen jetzt ganz langsam zu dem Licht dahinten und sehen nach, was das ist!“ Die Kinder schlichen leise über den festen Boden. In kurzer Zeit waren sie dem Licht um einige dutzende Meter näher gekommen. Acia stöhnte laut auf, als sie aufgrund ihrer Tetrachromatie  erkannte, was das für ein Licht war. Aber sie sagte nichts. Vielleicht war es ja auch nur eine Sinnestäuschung.

     Vielleicht aber auch nicht.

     Und das machte Acia zu schaffen.

     Denn dann hatten sich die Controller verirrt.

     Und zwar hoffnungslos.

Themma war mittlerweile ungeduldig, denn schon geschlagene zwei Stunden, oder vielleicht auch schon länger, verfolgte sie die Controller. Aber die kamen einfach nicht dort an, wo sich Locor Narcana zurzeit aufhielt. „Mein Gott!“, stöhnte die Kanzlerin und blinzelte in die Kugel hinein. „Sucht ihn…“

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