fabula vaporis – Kap. 41

Wenn mir auch alles, was ich um mich herum wahrnehme, nur vorgegaukelt werden könnte, so ist doch die Tatsache, dass ich denke und an all dem zweifeln kann, ein Beweis dafür, dass ich selbst keine Einbildung bin, sondern wirklich existiere. Ich denke, also bin ich.

René Descartes

Die Tür stand offen, als sie ankamen. Normalerweise musste man eine Tür doch verschlossen vorfinden, damit sie geheimnisvoll wirkte? Aber dem war nicht so. Die Controller rannten durch die Tür, deren Rahmen perlmuttfarben schimmerte, obwohl kein Licht vorhanden war. Dunkelheit empfing sie und die Tür schlug zu. Als die Finsternis die neun Kinder vollständig umhüllte, war es, als ob jemand eine Lampe angeschaltet hätte. Mit einem bunt bedruckten Schirm, auf den jemand Scherenschnitte geklebt hatte. Die Welt um sie herum war nicht so real, wie sie sich die Unterwelt Circurs vorgestellt hatten. Eine große rötliche Höhle, in der transparente Gestalten herumschwebten und alle halblang einen Seufzer von sich gaben.

„Das ist die Unterwelt?“, fragte Dillion, der sehr enttäuscht war, dass es keine Feuerbrunst erkennen konnte. „Das sieht so aus“, bestätigte Jesse. „Ich stimme euch voll und ganz zu“, sagte da eine tiefe, sonore Stimme, die irgendwie nach der Brüchigkeit von fester Erde klang. „Denkt ihr eigentlich, ihr die Ragami – die Bringer des Todes – an der Nase herumführen?“ Themma wusste nicht recht, was sie machen konnte, als dieser wilde Todesengel Dvôrak, mit dem sie noch eine Rechnung zu begleichen hatte, die Kinder angriff.

     Die Kinder, die die Arkana mit sich gerissen hatten.

Und die Themma nicht sehen konnte, weil diese knisternde Feuerwand ihr die Sicht versperrte. Die Kanzlerin starrte in die Elementkugel und dachte nach. Dvôrak war den Kindern bis in das Herz der Unterwelt gefolgt. Und er musste beseitigt werden. Es war schon schlimm genug, dass er das Amt von Gwenna erhalten hatte. Aber in die Gesetzt der Ragami war Themma nicht eingeweiht – und das musste sich ändern. Irgendwann einmal, beschloss die Kanzlerin und beließ es erst einmal auf diesem Ergebnis. Sie hauchte die Elementkugel an und diese vergrößerte sich, indem sich blaue Strahlen um ihre Hülle woben. „Dvôrak“, rief Themma. „Lass sie gehen.“ – „Nein!“, rief der Ragami zurück. Themma konnte sehen, dass Dvôrak ihre Stimme gehört hatte. Eine Luftmanipulation war doch immer sehr nützlich. „Was für eine Ehre!“ – „Lass sie gehen, Dvôrak“, sagte die Kanzlerin erneut. „Du wiederholst dich, Themma“, erwiderte der oberste Ragami. „Erinnerst du dich. An damals. Du schuldest mir etwas, seit du mich meiner Seele beraubtest und zu das hier machtest! Du und deine Versuche an unschuldigen Tieren! Foxen waren wir einst. Und dann kamst du mit deiner… Vernichtungswaffe und hast unsere Körper verhext!“

„Dvôrak“, beruhigte Themma ihn. „Du sollst wieder deinen alten Körper bekommen. Aber dazu lass die Kinder gehen!“ Ihre Stimme wurde eindringlich und der Ragami schien ihr zu glauben. „Wir sehen uns, Themma!“, entgegnete der Todesengel und hob mit den dunkel befiederten Flügeln vom Boden ab. Dann verschwand er in der Finsternis, die an der Decke der Halle, in der sich die Controller befanden, herrschte.

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