fabula vaporis – Kap. 30

Das Luftschiff legte behutsam am Landesteg an und fuhr seinen Aufgang heraus. Themma ließ den Druck auf den Knopf abebben und langsam kam der Aufgang zum Stehen. Dann öffnete Themma Tighhoor die Tür und trat mit dem Ilaner Tildâr aus dem Luftschiff heraus. Die Crew machte sich mittlerweile schon daran, das Luftschiff zu warten und es einsatzfähig zu halten.
„Was haben Sie erreicht?“, fragte Themma.

„Eine Suche. Und einen Fund“, erwiderte der Ilaner.

„Was ist das für ein Fund?“, hakte die Kanzlerin nach.

„Eine Fabrikhalle“, antwortete Tildâr. „Im Östlichen Außenviertel.“

Nun setzten sich Themma und Tildâr in Bewegung und gingen auf das große Haupttor zu. „Ich versichere Ihnen“, sagte der Ilaner zur Kanzlerin gewandt. „Ich werde alles veranlassen.“ – „Ist der Vorrat aufgefüllt?“, fragte Themma.
„Gewiss. Heute eingetroffen. Ich habe den Chemikern das Geld gegeben. Einhundert Fline pro Kilogramm. Wir besitzen nun fünfzig Kilogramm von dem Virus und zwei von Acetariol.

„Dann wird das Los auf das Östliche Außenviertel fallen.“

„Ich werde alles Nötige veranlassen“, versicherte Tildâr. „Wann soll ich es aussenden?“

„Das überlasse ich Ihnen… Aber zögern Sie nicht zu lange! Und… Sie dürfen nicht das Arkanum des Feuers beschädigen!“

„Sehr wohl.“ Mit diesen Worten entschwand Tildâr und Themma öffnete das Portal und ging auf direktem Weg in den Regierungssaal.

„Miss Tighhoor“, sagte Jones unterwürfig und trat auf die Kanzlerin zu. Im hell erleuchteten Saal sah der Mann ganz anders aus als nachts und auch Themma wirkte gesünder, wenn Sonnenlicht auf ihr Gesicht fiel.

„Haben Sie das Arkanum des Wassers gefunden?“, fragte Themma direkt.

„Natürlich! Und Ihr Arkanum habe ich ebenfalls bei mir. Warum auch immer…“

„Jaja, das weiß ich“, winkte Themma ungeduldig ab. „Was ist mit diesen Controllern? Haben sie dich verfolgt?“

„Sicher“, gab Jones zu. „Ich habe sie abgehängt. Aber sie werden nicht lockerlassen. Haben Sie schon etwas herausgefunden in Bezug auf das vierte Arkanum? Ich habe mir den Kopf zerbrochen, wo es sein könnte…“

„Still!“, gebot Themma. „Ich denke, du solltest jetzt gehen. Die Arkana lass bei mir. Wenn ich nähere Informationen habe, erhältst du neue Instruktionen. Bis dahin…“ Themma klatschte in die Hände und Tildâr kam rasch mit einem Briefumschlag in der Hand herbeigeeilt. Die Tür, durch die er gekommen war, schlug laut zu. „… sollten einhunderttausend Fline und eine Impfung erst mal genügen… Tildâr? Wenn Sie so freundlich wären?“ Themma ging aus dem Saal heraus und Tildâr rammte Jones eine Spritze in den Unterarm, deren Inhalt er langsam herausdrückte. Eine rötliche Flüssigkeit verschwand in Jones‘ Inneren. „Und dann Ihre Belohnung…“, sagte Tildâr und überreichte Jones ein Kuvert. Der Dieb öffnete es und ließ seinen Blick über die druckfrischen Scheine wandern. „Das genügt“, erwiderte Jones knapp. „Wenn Sie meine Hilfe benötigen, wissen Sie, wie ich zu erreichen bin. Guten Tag.“
„Guten Tag“, erwiderte Tildâr und verschwand mit der leeren Spritze in der Hand aus dem Saal. Jones ging indessen zum anderen Ausgang und aus dem Palast der Macht hinaus. Dann entfernte er sich über sein Boot, das immer noch an der Mauer des Palastes ankerte. Er war zufrieden. Mit sich und dem erledigten Auftrag. Er hatte immerhin nur zwei Gegenstände suchen müssen und dafür einhunderttausend Fline erhalten. Wenn das mal nicht genug war. Und vielleicht würde er noch mehr bekommen, wenn er einen weiteren Auftrag von der Kanzlerin bekäme. Eine kostenlose Impfung war ebenfalls mit in der Bezahlung enthalten gewesen. Dabei waren die Preise dafür recht hoch an diesen Tagen. Jetzt konnte er nur noch hoffen, dass die Wahl nicht auf das Viertel fiel, in dem er lebte – denn die Ansicht der Vernichtung derjenigen, die sich nicht hatten impfen lassen können, war kaum zu ertragen.

„Hallo!“, rief Acia den dreien zu, die gerade angekommen waren.
„Gibt’s was Neues?“, fragte Jesse und ließ sich auf einen Stuhl nieder. Die Controller hielten gerade eine Sitzung ab, und besprachen, was nun zu tun sei. Schließlich hatte Jones ihnen ein Arkanum weggeschnappt. Und wer weiß, wie viele Arkana die Kanzlerin nun hatte.

Ein Mädchen und ein Junge kamen atemlos in die Fabrikhalle gerannt. „Sie hat zwei!“, riefen sie laut. Ein Raunen ging durch die Anwesenden und Carry und Josh hatten ebenfalls Platz genommen. „Was ist los?“, fragte Jason und sah von seinem Computer auf, den er auf dem Schoß hatte. „Die Kanzlerin“, sagte das Mädchen erneut. „Sie hat zwei Arkana. Eines hat sie selbst gesucht… und wie es scheint, gefunden.“

Acia faltete die Hände und stützte ihre Ellenbogen auf den Knien ab. Dann legte sie den Kopf auf die Hände und schloss die Augen. Daraufhin rief sie zwanzig Namen auf. „Geht bitte zum Palast der Macht und haltet ihn im Auge.“ Weitere dreißig Namen. „Ihr sucht nach Jones“, sagte Acia schließlich. „Durchkämmt die gesamte Stadt! Und wenn ihr ihn gefunden habt, will ich von ihm wissen, warum die Kanzlerin die Arkana haben will! Der Rest kann hierbleiben.“

„Und was machen wir dann?“, fragte Giada.

„Wir überlegen uns, was wir als nächstes machen. Caitlin und Jesse? Könntet ihr bitte Recherche treiben, um was es sich bei den Arkana handelt und warum die Kanzlerin die haben möchte? Ich komme mit euch. Carry und Josh. Ihr geht mit Giada zum Haus von Locor Narcana und sucht dort irgendwelche Hinweise, ja? Ach, Jason? Könntest du bitte mal das analysieren, was dieses Arkanum von sich gegeben hat?“ – „Mach ich“, erwiderte Jason. „Sonst?“
„Nimm dir Hilfe von den anderen“, erwiderte Acia und erhob sich. „Lionel? Mach bitte mit den Punkten auf der Liste weiter. Was ihr noch nicht habt, macht dann, ja?“

„Gern“, sagte Lionel und kramte einen zerknitterten Zettel aus der Hosentasche. Dann wandte er sich an die anderen Controller. „Mal sehen…“, murmelte er. „Ah ja! Hier ist es. Kommt mit!“ Lionel und die anderen Kinder und Jugendlichen, die noch keinen Auftrag von Acia erhalten hatten, folgten dem Jungen aus der Fabrikhalle.

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