Der Dieb auf dem Teppich

Ich glaube mittlerweile würde man zum Film „Der Dieb von Bagdad“ aus dem Jahre 1940 „retro“ sagen. Trotzdem gehört er zu einem der besten Märchenfilme, die es zu sehen gibt.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Film aus dem Jahre 1940 wenig Aufmerksamkeit erhalten würde. Schließlich ist der Film alt, langsam geschnitten und irgendwie für den ein oder anderen auch etwas dröge. Ich habe mal von jemandem gehört „Ich schaue lieber schlechte neue Filme, als gute alte“. Da stellt sich mir die Frage „Warum?“. Und die Antwort setzte dann irgendwie aus.

Mit dem Film „Der Dieb von Bagdad“ kann man ehrlich gesagt nichts falsch machen. Bei mir kommt da immer das Sonntagnachmittag-Feeling auf, wenn ich mir den Film anschaue, denn das ist ein Film, der mittlerweile genau dann im Fernsehen laufen würde – Sonntagnachmittag auf einem dritten Programm ohne Werbung.

Aber was mach den Film so sehenswert? Zum einen ist es die Geschichte: Es gibt ja so viele Verfilmungen von den Märchen aus 1001 Nacht, wie es Buchstaben in 1001 Nacht gibt, aber die Geschichte von Ahmad und Abu ist so geschickt erzählt und von so tollen Kulissen begleitet, dass zumindest ich gern für gut zwei Stunden dem Märchen verfalle.

Wer diesen Film gesehen hat, wird niemals den Kampf zwischen der Spinne und Abu vergessen, während unter dem gigantischen Spinnennetz ein riesiger Kraken darauf wartet, entweder den einen oder den anderen zu verspeisen. Und das alles für einen kopfgroßen Rubin in einem sehr anschaulichen Tempel in den Bergen, die natürlich nur mit einem fliegenden Dschinn erreicht werden können.

Und dieser fliegende Dschinn hat es in sich: Schon 1940 konnte er sich aus der Flasche heraus vergrößern und ist natürlich auf den alten „Du-passt-ja-gar-nicht-in-eine-so-kleine-Flasche“-Trick hereingefallen. Und natürlich muss der erste Wunsch von Abu auch eine Pfanne mit Bratwürstchen sein, wie sie seine Mutter kocht. Schnipp – und schon sind sie da.

Es sind die kleinen Dinge, die diesen Film bezaubernd machen. Ein böser Conrad Veidt als Jaffar ist leider einfach ein besserer Böser als Marwan Kenzari. Und ein Mensch, der sich schon 1940 in einen Hund verwandeln konnte, zeigt, wie großartig damals schon Filmtricktechnik sein konnte.

Zwar ist der Film, wie damals alle Monumentalwerke und Kostümfilme, sehr bunt, vielleicht sehr aufgesetzt – aber, vielleicht ist es auch genau das, was ein Märchen ausmacht. Und dazu gehört auf jedenfall auch ein spielzeugliebender Sultan, der von einem Helden auf einem fliegenden Teppich gerettet wird.

Man sieht: Wir haben in jeder 1001-Verfilmung schon alles gesehen. Aber 1940 zum ersten Mal mit tollen Effekten und einer märchenhaften Geschichte mit toller Kulisse und eingängiger Musik.


Der Dieb von Bagdad (1940)

Regie: Ludwig Berger
Länge: 108 Minuten
Kinostart (D): 04.08.1949

Trailer

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