fabula vaporis – Kap. 17

Jones hatte selbstverständlich die Kanzlerin informiert. Die hatte ihm dann auch gleich Geld gegeben und ihn wieder auf die Suche geschickt. Natürlich hatte sie den Zettel, den Jones bei sich gehabt hatte, eingescannt und in ihr Dekodierungsprogramm gegeben. Dieser Locor Narcana hatte natürlich eine Verschlüsselung benutzt. Zwar brachte Themma Tighhoor das Bild als *.bmp-Datei nichts, da das Programm nur eingegeben Text entschlüsseln konnte, aber sie hatte ihn zumindest schon auf dem Computer. Und das genügte ihr vorerst.

Themma wusste, dass Acia mit ihren Freunden auftauchen würde, um ihr den Zettel abzunehmen, weshalb sie ihre gesamten Dateien in ihr Verschlüsselungsprogramm, hinter drei Hackwalls verborgen und siebenfach verschlüsselt, hineinkopiert und den Rest gelöscht hatte. Jones war sowohl mit dem Zettel Locor Narcanas als auch mit dem Zettel, den Themma ihm gegeben hatte entschwunden und suchte nach den vier Arkana, die die Kanzlerin haben wollte. Der Mann wusste zwar nicht, wo er suchen sollte, aber eine grobe Vorstellung hatte Themma schon, weshalb sie Jones losgeschickt hatte. Alles in allem war sie zufrieden mit sich und wartete jetzt auf die Ankunft der Kinder. „Guten Abend ihr vier…“ Themmas Grinsen verriet nichts; nur, dass sie gerne alle Anwesenden auslöschen würde. „Ich könnte wetten, ihr seid hinter dem Zettel her.“ Sie grinste böse und ihre kalte Stimme klang merkwürdig fremd. „Wo sind die anderen?“, fragte Acia und deutete hinter die Kanzlerin. „Sagen wir, sie sind sicher verwahrt!“ Sie lachte wieder leise und drehte sich um. „Kommt her“, murmelte sie leise in die Richtung und vier Ilaner – einer von ihnen war Tildâr – schälten sich aus dem Dunkel und blitzen die Kanzlerin mit ihren verbesserten Augen an. Jeder hielt, mit einer Hand die Schulter und mit der anderen Hand die beiden Arme auf den Rücken verdreht, einen der vier anderen Controller. Sie sahen aus, als ob sie schliefen oder tot wären. Das konnte Acia natürlich glauben, war ja auch viel zu exotisch. Da sah sie, wie Lionel ihr zuzwinkerte. Er hatte die Gefangenschaft also lebendig überstanden und wurde nun von dem Ilaner festgehalten.

„Gib mir meinen Computer“, sagte Themma, das Grinsen verschwand aus ihrem Gesicht und sie streckte die Hand nach Jesse‘ aus, aber dieser ließ den Computer fallen. „Jetzt!“, brüllte Acia und Lionel, der seiner Anführerin unmissverständlich klar gemacht hatte, das alle in Ordnung waren, und die anderen rissen sich aus der Umarmung der Ilaner. Dann rannten sie zur Tür. Themma kreischte laut, als sie sah, dass der Computer auf dem Boden zerschellte. Deshalb reagierte sie zu langsam, um verhindern zu können, dass die acht Kinder aus dem Raum stürzten. Caitlin lotste die Gruppe durch den Palast der Macht. Sie kamen schnell voran und standen bald auf der Westlichen Wehrmauer. Rechts neben ihnen floss der Kanal entlang.

Links neben ihnen ging es in den Innenhof des Palastes und dort ankerten drei Luftschiffe. In einem brannte Licht. Vor und unter ihnen war der Zugang zum Gondelanlegeplatz für diejenigen Gondeln, in denen die Personen saßen, die die Kanzlerin sprechen wollten. Hinter ihnen war Themma Tighhoor – wutentbrannt und bedrohlich – und hinter dieser die vier Ilaner, und ein Palasthund. Diese Hunde waren weitaus gefährlicher, als normale, hatten ein größeres Gebiss und konnten weiter springen; so weit, wie Geparden.

„Wo wollt ihr hin?“, kreischte Themma. „Ihr kommt hier nicht mehr weg!“ Das vertraute Sirren und Knistern kündigte die Fahrt einer Gondel an. Diese Gondel war wohl etwas größer als andere Exemplare, sollte also das Gewicht von acht Kindern aushalten. „Jetzt!“, brüllte Acia ein weiteres Mal und die acht Kinder drehten sich um. „Folgt ihnen!“, befahl Themma und wies in die Richtung, in die die Kinder rannten. Diese rasten auf die Kante zu und, als die Gondel unter ihnen hinwegtauchte, sprangen sie auf das Dach ebendieser. Sie krallten sich an dem Schienenwerk fest, das mit dem gespannten Kupferdraht verbunden war. Da eine Isolierung angebracht worden war, um Großbrände zu verhindern, bekam nur einer der acht Kinder ein Stromschock und starb sofort. Es war Askar, der sterben sollte.

Er fiel tot in den Kanal und erschreckte am nächsten Tag mit dem Auftauchen seiner Leiche einige betrunkene Männer, die sich über eine Brücke ins nächste Wirtshaus schleppten. Acia war an diesem Abend nicht die einzige, die den Tod Askars betrauerte. Am nächsten Tag war Ruhe bei den Controllern.

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